Urs, viele kennen dich aus dem Tennis. Wie bist du zum Padel gekommen und was hat dich an der Sportart sofort begeistert?

Ich komme eigentlich aus dem Tennis und spiele auch weiterhin sehr aktiv. Zum Padel bin ich eher durch Neugier gekommen und dann hat es mich ziemlich schnell gepackt. Mir gefällt vor allem die Dynamik, das Zusammenspiel im Doppel und dass Taktik eine riesige Rolle spielt. Man kann sehr schnell anfangen, aber um wirklich gut zu werden, gibt es unglaublich viel zu lernen.

⁠In wenigen Tagen stehen die Deutschen Gehörlosen-Meisterschaften in Hamburg an. Was bedeutet dieses Turnier für die Deaf-Padel-Community in Deutschland?

Sehr viel. Wir sind mit Deaf Padel in Deutschland noch relativ am Anfang und genau solche Meisterschaften bringen die Community zusammen. Für mich ist es besonders schön zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt hat und wie viele mittlerweile richtig Lust auf Padel haben. Hamburg wird auf jeden Fall ein wichtiger Schritt für uns.

Urs Breitenberger (vorne) – MyPadel Perspektiven

Urs Breitenberger: „Padel macht es einem schwer, wieder aufzuhören“

Rund 80 Spielerinnen und Spieler haben sich angemeldet – ein neuer Rekord. Worauf führst du dieses starke Wachstum zurück?

Ich glaube, Padel macht es einem einfach schwer, wieder aufzuhören. Man hat schnell Erfolgserlebnisse und gleichzeitig unglaublich viel Spaß zusammen. Wir haben in den letzten Jahren außerdem viel Werbung gemacht, Lehrgänge angeboten und versucht, neue Leute mitzunehmen. Dass wir jetzt bei rund 80 Athletinnen und Athleten sind, hätte ich am Anfang selbst nicht erwartet.

Welche Rolle spielt Padel aus deiner Sicht für gehörlose Sportlerinnen und Sportler? Gibt es Aspekte der Sportart, die sie besonders attraktiv machen?

Padel passt meiner Meinung nach sehr gut zu uns. Man spielt immer im Doppel, ist nah beieinander und hat viel Blickkontakt. Dadurch funktioniert auch die Kommunikation sehr gut. Außerdem ist die Einstiegshürde nicht so hoch. Auch Leute, die vorher kaum Tennis gespielt haben, können relativ schnell Spaß daran haben.

„Wir sollten keine eigene kleine Welt aufbauen, sondern Verbindungen schaffen“

Kommunikation ist beim Padel ein entscheidender Faktor. Wie funktioniert das Zusammenspiel auf dem Court im gehörlosen Sport und welche Bedeutung haben dabei Gebärdensprache, Blickkontakt und Körpersprache?

Das funktioniert teilweise sogar erstaunlich gut. Wir arbeiten viel mit Blickkontakt, kurzen Gebärden und Körpersprache. Gedankenlesen. Natürlich kann man während eines Ballwechsels nicht einfach stehen bleiben und lange gebärden. Deshalb entwickelt jedes Doppel seine eigenen kurzen Zeichen und Abläufe. Irgendwann weiß man teilweise schon ohne Gebärde, was der Partner macht.

Wo steht Deaf Padel in Deutschland aktuell und was braucht es, damit sich die Sportart in den kommenden Jahren weiterentwickeln kann?

Wir sind auf einem sehr guten Weg, aber noch im Aufbau. Wir brauchen weiterhin Turniere, Trainingsmöglichkeiten, Lehrgänge und vor allem Strukturen, die langfristig funktionieren. Wichtig ist mir auch die Zusammenarbeit mit dem hörenden Padelsport. Wir sollten nicht unsere eigene kleine Welt aufbauen, sondern möglichst viele Verbindungen schaffen.

Urs Breitenberger – MyPadel Perspektiven

Urs Breitenberger: „Einfach machen und keine Angst vor der Kommunikation haben!“

Erlebst du in der Padel-Community genügend Offenheit und Interesse für Inklusion oder gibt es noch Hürden, die abgebaut werden müssen?

Meine Erfahrungen sind überwiegend sehr positiv. Die Padel-Community ist offen und unkompliziert. Natürlich gibt es beim Thema Barrierefreiheit und Kommunikation noch Luft nach oben. Oft fehlt aber nicht die Bereitschaft, sondern einfach das Wissen darüber, was gehörlose Sportlerinnen und Sportler brauchen.

Was können hörende Spielerinnen und Spieler von der Deaf-Padel-Community lernen?

Vielleicht, dass Kommunikation nicht nur über Sprache funktioniert. Blickkontakt, Mimik, Körpersprache und gegenseitiges Verständnis sind im Sport mindestens genauso wichtig. Und wahrscheinlich auch: einfach machen und keine Angst vor Kommunikation haben.

"Die Mischung aus Stille und intensivem Sport ist etwas Besonderes"

Wenn jemand die Deutschen Gehörlosen-Meisterschaften erstmals besucht: Worauf darf sich das Publikum besonders freuen?

Auf jeden Fall auf eine ganz besondere Atmosphäre. Was vielen wahrscheinlich sofort auffällt: Es wird kaum gesprochen und dadurch ist es teilweise richtig still in der Halle. Kommuniziert wird viel über Gebärdensprache, Blickkontakt und Körpersprache. Gleichzeitig gibt es auf dem Court richtig viel Action, Emotionen und natürlich den Kampf um den Deutschen Meistertitel. Diese Mischung aus Stille und intensivem Sport ist schon etwas Besonderes.

 Dein Blick in die Zukunft: Wo möchtest du Deaf Padel in Deutschland in fünf Jahren sehen?

Ich wünsche mir, dass Deaf Padel in fünf Jahren richtig stabil aufgestellt ist. Dazu gehört für mich auch eine langfristige Bindung mit MyPadel und deren Partnern und Sponsoren, damit wir gemeinsam etwas Nachhaltiges aufbauen können. Schön wäre auch, wenn es bei unseren Turnieren irgendwann Preisgelder gibt und Deaf Padel dadurch noch professioneller wird.

Sportlich möchte ich eine starke und stabile Nationalmannschaft haben und gleichzeitig erreichen, dass unsere Spielerinnen und Spieler regelmäßig an GPT-Turnieren teilnehmen und sich dort mit der gesamten deutschen Padel-Community messen.

Und ganz wichtig: der Nachwuchs. Wir brauchen junge Spielerinnen und Spieler, die früh mit Padel anfangen und langfristig nachkommen. Wenn wir das alles schaffen, haben wir in fünf Jahren eine richtig gute Basis für die Zukunft.

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