Eigentlich war Wojtek Czyz auf dem besten Weg, Profi-Fußballer zu werden. Doch nach einer Verletzung am Knie und einigen Fehlbehandlungen, wurde sein linkes Bein oberhalb des Knies amputiert. Ans Aufgeben dachte der gebürtige Pole allerdings nie. Ganz im Gegenteil: Er stürzte sich in die verschiedensten Sportarten: Leichtathletik, Badminton und Freediving. Insgesamt gewann er sieben Paralympische Medaillen, womit er zu den erfolgreichsten Parasportlern der Geschichte zählt. Im Freediving stellte er 2019 gleich mehrere Weltrekorde auf. Wenn der 45-Jährige gerade nicht um die Welt tourt oder trainiert, findet man ihn gerne auch beim Padel – eine Sportart, die er jeder Person wärmstens ans Herz legt. Warum? Das erzählt er im Interview mit MyPadel.

Wojtek, du hast mehrere Sportarten auf Top-Niveau performt. Was treibt dich immer wieder an, neu anzufangen und neue Sportarten zu probieren?

Es ist einfach die Begeisterung, etwas Neues zu erleben, etwas Neues auszuprobieren. Insbesondere im Sport ist es so, dass ich sehr schnell herausfinden möchte: Macht mir das Spaß? Kann ich es? 

Was hat dich auf deinem Weg als Athlet am meisten verändert?

Das ist eine schwierige Frage. Ich denke als Athlet wirst du schnell dazu gezwungen, dich um dich selbst zu kümmern. Im Sinne von: was ist gut für dich, was ist nicht so gut für dich, was ist gut für deine Karriere etc. Das heißt, du bist ein Businessman, obwohl du eigentlich nur Sportler bist. Gleichzeitig musst du aber auch das Team managen. Du denkst dir bestimmt: „100 Meter Sprinter, warte mal, warum Team?“ Da ist der Doktor, der Physiotherapeut, der Ernährungsberater, da sind so viele Leute, Family, Freunde etc. Das heißt, du musst wirklich lernen, wie du mit diesen Themen umgehst und wie du die Menschen begeisterst, dass sie mit dir mitziehen. Das habe ich gelernt.

Hast du auch im mentalen Bereich Unterstützung bekommen?

Sport lebt von Drucksituationen. Meistens geht es um einen, der gewinnt, und einen, der nicht gewinnt. Es ist schwierig, zu lernen und zu akzeptieren, wenn man mal nicht so erfolgreich ist. Plötzlich auf einem Niveau zu sein, wo es um Medaillen, die Weltmeisterschaft oder paralympische Spiele geht – oder in meinem Fall beispielsweise um den Weltrekord im Freediving – mit diesen Druckverhältnissen umzugehen, ist nicht einfach. Es gibt Sportpsychologen. Je nachdem wie man gestrickt ist, hilft es einem mehr oder weniger. Bei mir war es eher weniger. Aber das Wichtigste ist, dass man sich selbst kennt und weiß: Hey, ich habe so viel gemacht. Also egal, was da jetzt rauskommt, du kannst stolz auf dich sein. Das habe ich gelernt.

 

 

Was war in deiner Karriere die größte Herausforderung und was hast du aus der größten Herausforderung gelernt?

Bei mir war die Amputation meines Beines ein massiver Eingriff in mein Leben. Ich war auf dem Weg zum Fußballprofi. Mich dann neu zu orientieren und in einem Bereich des Behindertensports Fuß zu fassen und dort erfolgreich zu werden, war der größte Eingriff in meiner sportlichen Laufbahn.

Gerade nach so einem Eingriff würden viele vermutlich schnell den Mut verlieren. Was hat dich ermutigt, immer weiter zu machen?

Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Ein Faktor ist meine Familie und meine Freunde, die für mich da waren. Entscheidende Menschen, die ich kennengelernt habe, auf dem Weg durch diese Hölle, die ich durchgemacht habe, als ich mein Bein verloren habe, die mir eine Tür geöffnet haben, die gesagt haben: „Wojtek, schau dir doch mal Behindertensport an. Schau dir doch mal an, was die Jungs und Mädels leisten.“ Und mich quasi neu zu positionieren. Es hatte ein bisschen was mit Glück zu tun, aber dementsprechend darauf zu achten, dass man sich wirklich mit Menschen umgibt, die einem wirklich weiterhelfen. Gleichzeitig muss man auch das Mindset haben, dass man sagt: Ich gehe steil und das ist das, was ich möchte und daran glaube ich.

Bei so vielen verschiedenen Sportarten ­– kannst du dich auf ein Karriere-Highlight festlegen?

Es gibt so viele. Die ersten Medaillen in meinem Leben, die Goldmedaillen in Athen, die ich gewonnen habe mit Weltrekord, sind unvergesslich. Ich habe einen Weltrekord im Freediving aufgestellt, obwohl ich ursprünglich keine Ahnung hatte. Aber durch Passion, durch die Liebe zu diesem Sport, habe ich mich weiterentwickelt. Das macht mich schon stolz.

Wojtek über Padel: „Zack, weißt du, wie es funktioniert!“

Du bist gleichzeitig auch begeisterter Padel-Spieler. Wie kam es dazu?

Man muss wissen, ich komme aus dem Badminton und Tennis. Als Badminton-Spieler bin ich auch tennisbegeistert. Auf einmal hieß es: „Komm probiere mal Padel.“ Ich spiele sehr gerne Fußballtennis. Ein guter Freund von mir baut diese Fußballtennisplätze, die heißen Fritzplatz. Dort gibt es die Bandensituation. Als dann also Padel im Raum stand – mit Bande – war ich sofort Feuer und Flamme.

Welche Parallelen kannst du zwischen den Sportarten, die du betreibst und Padel ziehen?

Tennis und Badminton sind Rückschlagsportarten. Das heißt, man hat einen Eindruck. Trotz allem ist Padel ein massiver Unterschied zu Tennis. Die Schläge sind kürzer, du musst nicht so viel ausholen, der Ball kommt zurück. Aus dem Fußball kann man vielleicht ein bisschen abschätzen, wo der Ball hingeht.

Was ich sagen muss: Leute, probiert Padel aus. Es ist so schnell und so einfach zu erlernen von den Basics her. Das heißt, egal, ob du Sport gemacht hast oder nicht, es macht Spaß. Es ist einfach. Probiert es aus.

Was macht Padel aus deiner Sicht so zugänglich für alle Menschen?

Es ist athletenfreundlich. Bedeutet: Du nimmst den Schläger zweimal, zack, du weißt wie es funktioniert und spielst. Es ist einfach zu erlernen, was wohl eines der attraktivsten Dinge ist. Außerdem kannst du Padel in jedem Alter oder ob du eine Behinderung hast oder nicht, spielen. Kein Unterschied.

 

Wojtek Czyz: „Padel kann so inklusiv sein!“

Jetzt hast du auf der OMR 2026 mehrere Showmatches bestritten. Was war dein intensivster Moment auf dem Court?

Wir hatten einen tollen Ballwechsel, in denen wir alles mit drin hatten. Die Mädels haben alles zurückgebracht. Da denkst du: „Zack, ich schmettere mal drauf!“ Aber da war der Schläger immer zwischendrin und der Ball kam zurück. Es war einfach toll mit Profis zu spielen und so einen tollen Tag zu erleben.

Wie schwer oder leicht fällt es dir vom Profi-Gedanken zu so einem Spaß-Event zu wechseln?

Es gibt kein Spaß-Event (lacht). Nein, klar, man geht die Sache ein bisschen lockerer an. Aber wir kamen alle ins Schwitzen. Bei allem Spaß, den wir hatten, man wollte zeigen, dass man Padel spielen kann.

Welche Rolle kann Padel für die Inklusion im Sport spielen?

Eine massive. Es gibt eine Inklusions-Tour weltweit, wo ich Menschen sehe, die im Rolli spielen, wie Amputierte, Gehörlose, und weitere spielen. Padel kann so inklusiv sein. Ich wünsche mir, dass wir uns in Deutschland etwas aufbauen können, was wirklich jeden Menschen, whatever er oder sie ist, ins Padel inkludiert.

Wie würdest du jemanden motivieren, zum ersten Mal Padel zu spielen?

Ich würde ihm oder ihr einfach den Schläger in die Hand drücken. Geh, probier es aus. Learning by doing, keine Angst. Es macht Spaß. Der Weg des Lernens macht Spaß und das ist so besonders beim Padel für mich.

Wenn du wetten müsstest, wo steht Padel in fünf Jahren in Deutschland?

Wir sind absolut an der Oberfläche. Egal, mit wem ich spreche, bekomme ich das Feedback: „Oh geil, Padel“ oder „habe ich gehört, gesehen und habe ich mal probiert“. Die Begeisterung ist so immens. Ich bin mir sicher, wir sind absolut am Anfang und wir werden uns sehr schnell entwickeln.

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