Mit viel Leidenschaft setzt er sich dafür ein, dass mehr Menschen mit Handicap den Weg zum Padel finden. Im Interview spricht er über seine ersten Erfahrungen auf dem Court, die besonderen Anforderungen des Rollstuhl-Padels, seine Erlebnisse in der Trainerausbildung und seine Vision für einen inklusiven Sport, in dem Padel für alle zugänglich ist.

Holger, seit wann spielst du Padel und wie bist du ursprünglich zu dieser Sportart gekommen?

Zunächst einmal vielen Dank, dass ihr dem Thema Rollstuhl-Padel so viel Aufmerksamkeit schenkt. Das finde ich wirklich großartig!

Zum Padel bin ich vor etwa zwei Jahren durch meine Tochter gekommen. Sie war damals 23 Jahre alt und ging regelmäßig mit ihrem Freund in einer Padelhalle in Düsseldorf-Rath spielen. Irgendwann wurde ich neugierig, informierte mich ein wenig im Internet und dachte mir: Das könnten wir doch einfach mal gemeinsam ausprobieren.

Also habe ich meinen Basketballrollstuhl genommen und wir sind zusammen in die Halle gefahren. Schon bei meinem ersten Spiel auf einem Single-Court war mir klar: Das ist ein großartiger Sport für mich! Vor meinem Unfall in 2001 hatte ich bereits Tennis, Badminton und ein wenig Squash gespielt. Deshalb waren mir der Umgang mit Schläger und Ball vertraut. Auch durch meine Erfahrungen im Rollstuhlbasketball konnte ich mich gut im Rollstuhl auf dem Platz bewegen.

Seitdem spielen wir regelmäßig. Besonders glücklich sind wir darüber, dass der TC Schiefbahn in unserer Nähe neben zehn Tennisplätzen auch zwei Outdoor-Padelplätze hat. Dort sind wir inzwischen als Familie Mitglied. Wir spielen regelmäßig zusammen – ich im Rollstuhl, meine Frau und meine Tochter ohne Rollstuhl. Und das funktioniert wunderbar!

Was ist die größte Umstellung für einen Menschen im Rollstuhl auf dem Padelplatz?

Meiner Meinung nach vor allem der Umgang mit den Glaswänden gewöhnungsbedürftig. Normalerweise hat man den Reflex, einen Ball, der an einem vorbeifliegt, sofort spielen zu wollen. Beim Padel muss man lernen, den Ball zunächst gegen die Scheibe springen zu lassen. Als Rollstuhlfahrer darf er danach sogar ein zweites Mal auf dem Boden aufspringen. Hat man das einmal verinnerlicht, wird das Glas zum echten Freund. Es eröffnet neue Möglichkeiten und macht das Spiel besonders interessant.

Andersherum ist es für Fußgänger, die zum ersten Mal im Rollstuhl spielen, eine große Herausforderung. Plötzlich müssen sie gleichzeitig den Rollstuhl bewegen, den Schläger kontrollieren und den Ball im Auge behalten. Die gewohnten Bewegungsabläufe funktionieren nicht mehr automatisch.

Ich habe schon einige gute Padel Spieler kennengelernt, die Padel im Sportrollstuhl ausprobiert haben. Dabei merken sie schnell, dass Rollstuhl-Padel eine echte sportliche Leistung ist. Das schafft Verständnis und Respekt für unsere sportliche Leistung auf dem Platz.

Holger Koppe

„Das macht mich schon ein bisschen stolz“

Was hat dich motiviert, an der Trainerausbildung teilzunehmen?

Als ich vor zwei Jahren mit Rollstuhl-Padel angefangen habe, wollte ich mich zunächst über Regeln, Veranstaltungen und Möglichkeiten informieren. Dabei stellte sich heraus, dass es in Deutschland kaum Informationen gab. In Spanien, Frankreich und Italien war man damals schon deutlich weiter. Auch heute ist Rollstuhl-Padel in Deutschland noch relativ unbekannt. Soweit ich weiß, gibt es nur wenige Trainer, die sich mit diesem Bereich beschäftigen.

In den vergangenen zwei Jahren habe ich selbst viele Erfahrungen gesammelt und mir durch Ausprobieren einiges an Wissen angeeignet. Dabei ging es nicht nur um das Spiel, sondern auch um Fragen wie: Wie bewege ich mich mit dem Rollstuhl am besten auf dem Platz? Wie sollte der Sportrollstuhl eingestellt sein? Was funktioniert gut und worauf muss man achten? Irgendwann entstand daraus der Wunsch, meine Erfahrungen an andere Rollstuhlfahrer weiterzugeben. Bei unseren Rollstuhl-Padel Schnuppercamps beim TC Schiefbahn hatte ich bereits Gelegenheit dazu und merkte, wie viel Spaß es mir macht, andere für diesen Sport zu begeistern.

Deshalb lag es nahe, eine Basistrainerausbildung zu absolvieren. Ich wollte lernen, wie man eine Trainingseinheit sinnvoll aufbaut und Anfänger gezielt betreut. Bei MyPadel war das unkompliziert möglich. Die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen zu haben, macht mich schon ein bisschen stolz. Es war eine tolle Erfahrung und ein wichtiger Schritt für mich.

Rollstuhl-Padel-Schnuppercamps im Tennis Club Schiefbahn

Holger Koppe über den Basistrainer-Lehrgang: "Nicht nur fachlich, sondern auch menschlich eine großartige Erfahrung"

Welche Ziele verfolgst du mit der Ausbildung und wie möchtest du dein Wissen künftig als Trainer einsetzen?

Auf unserer Anlage beim TC Schiefbahn haben wir in diesem Jahr 2026 bereits zwei Schnupper-Padel-Camps für Rollstuhlfahrer veranstaltet – im Juni und im September. Außerdem erreichen mich immer wieder Anfragen von Rollstuhlfahrern, die den Sport ausprobieren möchten.

Mein wichtigstes Ziel ist deshalb, möglichst vielen Menschen Padel im Rollstuhl näherzubringen und ihnen einen unkomplizierten Einstieg zu ermöglichen. Ich sehe mich dabei auch ein Stück weit als Botschafter für diese Sportart. Padel-Trainer für Fußgänger gibt es mittlerweile viele. Allerdings bringt Padel im Sportrollstuhl einige Besonderheiten mit sich. Die Bewegung auf dem Platz, die Rollstuhleinstellung und die Spielweise unterscheiden sich teilweise deutlich. Hier können eigene Erfahrungen im Rollstuhl natürlich sehr hilfreich sein.

Ich bin überzeugt, dass der Bereich Inklusion und Padel für Menschen mit Handicap in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird. Diese Entwicklung möchte ich gerne aktiv begleiten und mitgestalten. Es wäre schön, wenn immer mehr Menschen den Weg zum Rollstuhl-Padel finden und selbst zu begeisterten Spielern werden.

Was waren für dich die größten Highlights während des Lehrgangs?

Besonders interessant fand ich einige Übungen gleich zu Beginn des Lehrgangs: Wir sollten verschiedene Übungen mit unserer schwachen Hand durchführen. So sollten wir besser nachvollziehen können, wie es sich für einen Anfänger anfühlt, der zum ersten Mal einen Padelschläger in der Hand hält. Das war eine ungewohnte Erfahrung. Allen Teilnehmern fiel es zunächst schwer, egal ob Fußgänger oder Rollstuhlfahrer. Umso erstaunlicher war es, wie schnell man durch mehrere Übungen ein Gefühl für Schläger und Ball entwickelte.

Ein weiteres Highlight waren die Gruppenübungen. Anfangs hatte ich ein wenig Bedenken, ob ich die Gruppe vielleicht aufhalten könnte. Aber das Gegenteil war der Fall: Alle waren sehr interessiert und wollten ganz selbstverständlich mit mir die Übungen durchführen.

Ich habe mich während des gesamten Lehrgangs absolut gleichberechtigt und als vollwertiges Mitglied der Gruppe gefühlt. Das war für mich etwas Besonderes, denn so selbstverständlich ist dieser Umgang im Alltag leider noch längst nicht überall. Wir waren eine tolle Truppe, haben uns gegenseitig unterstützt und am Ende auch gemeinsam bestanden. Mit einigen Teilnehmern habe ich sogar heute noch Kontakt. Für mich war der Lehrgang deshalb nicht nur fachlich, sondern auch menschlich eine großartige Erfahrung.

 

„Seit der Ausbildung sehe ich eine Trainerstunde mit ganz anderen Augen“

Welche Inhalte oder Erfahrungen aus der Ausbildung haben dich besonders geprägt?

Für mich war besonders interessant zu sehen, wie komplex die Vorbereitung einer Trainingseinheit tatsächlich sein kann. Wenn man sich normalerweise zum Padelspielen trifft, geht man auf den Court und fängt einfach an zu spielen. Über den Ablauf macht man sich dabei kaum Gedanken.

Bei einer richtigen Trainingseinheit gibt es dagegen viele Möglichkeiten, Übungen und Spielformen abwechslungsreich zu gestalten und individuell auf die Teilnehmer abzustimmen. Seit der Ausbildung sehe ich eine Trainerstunde mit ganz anderen Augen. Ich mache mir viel mehr Gedanken über den Ablauf, die Inhalte und die Ziele der einzelnen Übungen.

Das konnte ich direkt in der Praxis umsetzen. Auf unser zweites Rollstuhl-Padel Schnuppercamp, habe ich mich deutlich besser vorbereiten können. Die Übungen waren strukturierter, und auch die Teilnehmer, die schon beim ersten Camp dabei waren, haben den Unterschied bemerkt.

Welche Wünsche oder Ziele hast du für deine Zukunft als Trainer?

Ich würde sehr gerne regelmäßig, idealerweise einmal pro Woche, mit einer kleinen Gruppe von Rollstuhlfahrern trainieren. So könnte man gemeinsam Erfahrungen sammeln und sich sportlich weiterentwickeln.

Ich spiele selbst Rollstuhlbasketball bei den ART Giants in Düsseldorf. Dort haben wir zweimal wöchentlich Training, dazu kommen Ligaspiele und Turniere. Etwas Vergleichbares könnte ich mir langfristig auch im Rollstuhl-Padel vorstellen. Vielleicht könnten wir irgendwann sogar eigene Turniere in Deutschland veranstalten. In Frankreich und Spanien gibt es solche Möglichkeiten bereits. Ich habe inzwischen Kontakt zu Spielern aus diesen Ländern und wurde auch schon zu Turnieren eingeladen.

Ein weiteres wichtiges Thema sind geeignete Sportrollstühle. Gerade Anfänger fragen mich häufig, wo sie einen solchen Sportrollstuhl bekommen, was er kostet und worauf sie achten müssen. Das ist in Deutschland noch eine Herausforderung. Deshalb wäre es toll, wenn sich auch Sportrollstuhlhersteller stärker engagieren und die Entwicklung unterstützen würden. Erste Gespräche gibt es bereits, zum Beispiel mit der Firma Otto Bock.

Ich bin überzeugt, dass sich in den kommenden Jahren einiges entwickeln wird. Ich möchte diese Entwicklung gerne mitgestalten und bleibe auf jeden Fall an dem Thema dran!

 

 

Was wäre deine Nachricht an Menschen im Rollstuhl, die Sport machen und Padel ausprobieren wollen?

Der Padel-Sport wächst in ganz Deutschland enorm. Überall entstehen neue Hallen und Outdoor-Plätze. Im Bereich Rollstuhl-Padel tut sich meiner Meinung nach allerdings noch zu wenig. Deshalb mein Appell: Geht hin, probiert es aus und sprecht die Betreiber der Padel Anlagen einfach an!

Ich habe selbst erst vor Kurzem eine neue Padelhalle in Mönchengladbach kennengelernt und war überrascht, wie barrierefrei sie gestaltet ist. Es gibt Parkplätze direkt vor der Tür, keine Stufen, ausreichend Platz, eine Rollstuhltoilette und sogar geeignete Duschen. Alle waren dort ausgesprochen freundlich und sehr interessiert.

Viele Betreiber machen sich offenbar Gedanken darüber, ihre Anlagen möglichst barrierefrei zu gestalten. Das ist für uns Rollstuhlfahrer eine große Chance, die wir nutzen sollten. Wir müssen zeigen, dass wir da sind und Interesse an diesem Sport haben.

Was ich am Padel besonders schön finde: Man muss nicht unbedingt mit vier Rollstuhlfahrern spielen. Ich habe schon etliche Male gemischt mit Fußgängern gespielt, und das funktioniert hervorragend. Man lernt neue Menschen kennen und hat gemeinsam jede Menge Spaß. Mein Rat lautet deshalb ganz einfach: Keine falsche Scheu! Runter vom Sofa, hingehen und ausprobieren!

Termine

Die Veranstaltungssuche ermöglicht eine gezielte Suche nach Aus- und Fortbildungen und weiteren Veranstaltungen für Padel in Deutschland. Für die einzelnen Veranstaltungen für Trainer, Schiedsrichter und Vereinsfunktionäre werden Termine, Veranstaltungsorte, Ansprechpartner und Buchungsmöglichkeiten entsprechend dargestellt.
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