Fabian, wie bist du zum Padel gekommen? Erinnerst du dich an dein erstes Match?

Klar, das war vor knapp dreieinhalb Jahren. Ich war noch Handballspieler und war mit der Mannschaft in Luzern in einem Club Padel spielen. Es hat mir sofort riesigen Spaß gemacht. Ich fand nicht nur die Sportart spannend, sondern diese Community-Bildung, die beim Padelsport so schnell entsteht. Das passiert durch diese offenen Matches und das freie Verhalten im Club. Das hat mir sehr gut gefallen und so bin ich mehr und mehr beim Padel hängen geblieben.

Hast du zuvor schon andere Rückschlagsportarten wie Pickleball, Tennis oder Squash ausprobiert? Wie fiel dein Vergleich aus?

Pickleball habe ich noch nie gespielt, Squash, Tennis und Badminton schon. Ich kann zwar nicht sagen, dass mir die anderen keinen Spaß machen, aber Padel macht mir mehr Spaß. Es hat mich einfach abgeholt. Das Spannende an dem Spiel ist für mich das Taktische, das Spiel mit dem Glas, mit der Situation, wie der Ball kommt. Spiele ich kurz? Spiele ich einen Smash? Gehe ich auf den Bandeja? Das Entscheiden in Situationen, wie man das Spielfeld nutzt und bespielt, finde ich gut. Ich war schon als Handballer jemand, der viel im taktischen Bereich agiert und hinterfragt hat, wie etwas funktioniert. Und das hat mich beim Padel sofort gecatcht.

Welche Parallelen oder Gegensätze kannst du zwischen Handball und Padel ziehen? Gibt es Dinge, die dir sehr leicht oder eher schwergefallen sind?

Ich komme aus einer, nennen wir es mal „Wurf-Sportart“ und Padel ist eine Schlagsportart. Natürlich sind eine gewisse Affinität und ein Gefühl zum Ball da und man lernt vielleicht schneller als manche andere. Dennoch war dieser Umstieg für mich schwer. Wo ich aber Parallelen ziehen kann: Das Verhalten, wie sich ein Spieler bewegt, wie aggressiv er an den Ball geht oder die Analyse: Wird es ein Chiquita oder ein Vibora, weil er aggressiver ist? Vom Handball her kann ich gut erkennen, ob jemand voll angreift oder taktisch etwas ausprobiert. Ich kann das Spiel gut lesen.

Fabian Böhm: "Die Sportart hat das verdient!

Wie häufig stehst du auf dem Padelplatz?

Aktuell viel zu wenig, obwohl die Plätze vor der Tür sind. Wenn ich es schaffe, dann alle 14 Tage. Mein Anreiz war es aber nicht, einen Platz für mich selbst zu schaffen, sondern Spieler:innen eine Möglichkeit zu geben und einen Standort zu entwickeln, weil Potsdam das noch nicht hatte. Die Sportart und die Stadt haben das verdient, deshalb investiere ich da gerade viel Energie und Zeit rein – in die Struktur, in den Club.

Woher kam der Entschluss eine eigene Halle zu eröffnen?

Der erste Punkt: Ich fand Padel cool und die Sportart connected. Zweitens: Es lag an der Stadt Potsdam. Was solche Sachen angeht, ist das Freizeit-Angebot begrenzt. Potsdam wird immer als die kleine Schwester oder der kleine Bruder von Berlin gesehen. So klein sind wir aber gar nicht. Deshalb glaube ich, dass es in vielen Bereichen noch Potenziale gibt – und mit Padel habe ich da eine Adresse gesehen, die insgesamt eine große Beliebtheit hat. Dann habe ich eine coole Halle gefunden, die viel Charme hat – eine Industriehalle –, um etwas aufzubauen für die Potsdamer, die Region und auch die Rand-Berliner.

Es handelt sich bei der Halle um eine alte Lackfabrik. Wie kann man sich das vorstellen?

Meine Familie kommt aus der Bau-Branche, deshalb hatte ich da Verbindungen und Möglichkeiten, die mir gezeigt haben, was man so machen kann. „Verliebt“ wäre ein bisschen zu viel gesagt, aber die Halle war für mich ein Eyecatcher. Sehr viel Glas in einer trotzdem alten Industriehalle. Super Licht, alte Eisenbahnschienen. Es ist cool und hat Charme. Vielleicht kommen auch Leute rein und sagen: „Ach du meine Güte, wie sieht es denn hier aus?“ Aber ich habe einfach versucht, diesen Charme der Halle zu erhalten, um das Spiel der Welten zwischen den hochmodernen Padelcourts mit Riesen-Glasscheiben und modernem Kunstrasen und der alten Halle, die ordentlich gemacht ist, zu verbinden. Es hat viel Charakter.

Ex-Handball-Profi Fabian Böhm eröffnete in einer alten Lackfabrik in Potsdam eine Padelhalle

Fabian Böhm: "Das Schöne am Padel-Club ist die Community!"

Kann man die genannten Eisenbahnschienen noch erkennen?

Zwei Drittel der Halle sind jetzt fertig, hier stehen drei Courts. Ich werde jetzt noch um einen Doppel- und zwei Single-Courts erweitern. Und in diesem Bereich möchte ich, die Schienen – wenn es möglich ist – so gut es geht erhalten. In den anderen Teilen ging es leider nicht, weil sie sonst durch den Platz gelaufen wären. Da musste ein Estrich drüber bzw. ein Bodenausgleich gemacht werden. Aber oben an den Decken hängen noch die Zugmaschinen und Seilzüge, wo die Lokomotiven durchgezogen wurden.

Was steckt hinter dem Konzept der Lackfabrik? 

Das Grundkonzept, das ich angestrebt hatte, war eine autarke Halle zu schaffen. Ich wollte Abläufe simpel gestalten mit Zugangsregelungen, Leih-Automaten, Ballverkaufsmaschinen etc. Ziel war es, es für mich als Betreiber so einfach wie möglich zu halten, sodass ich den Fokus auf andere Dinge setzen kann. Aber das Schöne am Padel-Club ist die Community und die Community-Bildung. Und dazu gehört nun mal Personal, das vor Ort ist, Trainer, Trainingsstunden, Privatstunden und Turniere. Das soll sich jetzt alles peu à peu in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln und wachsen. 

Von der Planung bis zur Eröffnung der Halle – was waren deine größten Herausforderungen?

Da kann ich nicht nur eine nennen. Aber ich muss dazu sagen, dass ich als Greenhorn in die Sache reingegangen bin. Man fängt mit der „Ey, lass uns das machen“-Idee an und landet irgendwann bei: „Wo kommt eine Steckdose hin?“ oder „Wie wird der Brandschutz gemacht?“ Das sind viele einzelne Prozesse, die Energie kosten und man manchmal selbst nicht in der Hand hat. Bei mir hat es knapp zehn bis zwölf Monate gedauert von der Entkernung der Halle, bis zur Installation der Plätze, der Rental-Automaten, neuer Eingangstüren, Brandschutzanlagen und der ganzen Elektronik in der Halle. Deshalb: Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.

Fabian Böhm x Lackfabrik Potsdam

Fabian Böhm: "Je stärker die Community-Bildung, desto nachhaltiger ist dein Club!"

Padel gewinnt in Deutschland immer mehr an Relevanz, viele investieren in Hallen oder erweitern ihr Angebot mit Padelcourts. Wie erklärst du dir den Trend rund um die Sportart?

Ich glaube, einige betrachten es einfach als reines Invest. Bedeutet: Für viele gibt es eine gute Marge. Alte Hallen, die teilweise keine Möglichkeiten mehr haben, anders genutzt zu werden, Tennisplätze, die einen Altbestand haben und auch Hallen, die sich nicht mehr finanzieren können und aufgrund der Fläche eines Padel-Feldes deutlich mehr Menschen akquirieren können. Deshalb springen einige auf den Boom auf.

Umgekehrt ist es auch eine Sportart, die verbindet, Spaß macht und gleichzeitig leicht erlernbar ist. Einsteiger, die noch nie mit einer Schlagsportart zu tun hatten, können nach vielleicht einer Einsteigerstunde schnell mit Freunden ein einigermaßen adäquates Padel-Spiel zustande kriegen.

Was braucht es deiner Meinung nach, um Padel in Deutschland nachhaltig zu etablieren?

Das wird sich mit den Jahren zeigen. Bei der Geschwindigkeit, in der die Clubs gerade wachsen, geht es um die grundsätzliche Nachhaltigkeit. Leute investieren sehr, sehr viel und wollen ihre Rendite haben. Dann schauen sie, was daraus wird. Ich habe viele spanische Freunde und in Spanien ist es häufig so, dass du in einem Club nicht nur zum Padelspielen bist. Der Club ist der Place to be. Du gehst dort hin, weil du auch einfach nur zuschauen willst, weil es cool ist, da ein Käffchen oder ein Bierchen zu trinken und deinen Kumpels zuzuschauen. Je stärker also diese Community-Bildung ist, desto nachhaltiger ist dein Club.

Wo siehst du Padel in Deutschland in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Man kann noch kein Ende erkennen. Was man tun muss, um einer Sportart wie Tennis wirklich Parole zu bieten, weiß ich auch noch nicht. Dafür ist der Markt in Deutschland noch zu jung. Ich denke, es wird kein Ende geben, weil Padel einfach deutlich kommunikativer und geselliger ist als viele andere Sportarten. Deshalb glaube ich an die Nachhaltigkeit des Padelsports in Deutschland.

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