„So genau weiß ich das gar nicht mehr, es ist bestimmt zehn, zwölf Jahre her“, antwortete Marcel Maltritz nachdenklich auf die Frage, wann er zum ersten Mal auf dem Padel-Court stand. „Was ich noch weiß, dass es in Herne am Gysenberg war und ich dort mit ein paar Freunden gespielt habe.“ Dass die Sportart Padel heute seinen Alltag bestimmen würde, vermutete er damals zwar noch nicht. Aber die erste Partie entfachte in ihm gleich eine Leidenschaft. „Ich war so begeistert“, sagte er. Also nahm er auch die ein oder andere Strecke von Bochum aus auf sich, um genau dieser Leidenschaft weiter nachzugehen. „Ich bin mal nach Münster gefahren oder an die Hafenstraße zum TVN. Man musste weit fahren, um überhaupt Padel spielen zu können“, erinnerte sich der heute 47-Jährige. 

Als Maltritz erstmals ein Padel-Racket in der Hand hielt, war die Sportart noch lange nicht in Deutschland etabliert. Also entschied sich der ehemalige Fußball-Profi dazu, eigene Plätze zu bauen – was sich als nicht besonders leicht herausstellte. „Mit der Grundstückssuche, Zusagen, dann wieder Absagen und vielen Rückschlägen hat das ewig gedauert. Ich hatte es schon aufgegeben, bis sich jemand von der Stadt Bochum dem Thema angenommen hat und die richtigen Wege eingeleitet hat.“ 

Mittlerweile ist sein Club, die Padelworld Bochum, mit vier Outdoor- und zwei Indoor-Plätzen im Ruhrgebiet fest etabliert. Die Angliederung an den Tennisverein SV Langendreer hat ihm dabei den Einstieg erleichtert. „Es ist nie leicht sich als Gewerbe auf einem Vereinsgelände zu etablieren. Da haben wir eine gute Lösung gefunden, mit der sowohl ich als auch der Tennisverein sehr gut leben können. Wir profitieren voneinander.“

Wie das aussieht? „Wir machen gemeinsame Veranstaltungen, bei denen Tennisspieler Padel ausprobieren können und andersherum. Mit dem ansässigen italienischen Restaurant sowie dem großen Fußballverein haben wir eine Ballsportbegegnungsstätte geschaffen. Der eine spielt Tennis, der andere Padel und wieder ein anderer Fußball. Alle kennen sich mittlerweile gut und arbeiten zusammen.“

Padelworld Bochum

Marcel Maltritz: "Die Leute wollen trainieren!"

Selbst steht er heute zwei- bis dreimal pro Woche auf dem Court, um zu spielen. „Aber ich gebe auch Training, deshalb bin ich fast jeden Tag auf dem Platz“, sagte er. Seine Trainingsgruppen sind dabei bunt gemischt: von Kindern über Jugendliche, Einsteiger sowie erfahrene Spieler:innen. „Wir haben in diesem Jahr 16 Kinder an verschiedenen Tagen im Training. Starter sind dabei, aber auch fortgeschrittene Spieler. Manchmal ist es Einzeltraining, manchmal ein Gruppentraining mit vier oder acht Leuten. Zudem veranstalten wir Workshops, bei denen wir mit vier Trainern auf vier Plätzen sind und Inhalte vermitteln wollen. Die Nachfrage ist ungebrochen.“

Die Resonanz auf die Sportart und das angebotene Training nimmt dabei immer weiter zu. Maltritz schmunzelte: „Die Leute wollen trainieren und ich kann meistens nicht „Nein“ sagen und nehme immer weiter Termine an, obwohl manchmal ein Tag Pause ganz gut wäre.“ 

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Dementsprechend ist er auf die Unterstützung von verschiedenen Trainern angewiesen. „Man muss schon ein ganz guter Padelspieler sein, wenn man Trainingsinhalte vermitteln möchte. Oder man macht eben eine vernünftige Ausbildung. Deshalb sehe ich es als sehr wichtig an, dass man seine Lizenzen hat. Auch wenn mir auf der anderen Seite die soziale Komponente mindestens genauso wichtig ist – also wie man mit den Leuten umgeht und selbst auftritt.“

Sein Geheimtipp für alle Einsteiger ist dabei simpel: „Den Ball einfach wieder reinspielen.“ Er lachte: „Klingt manchmal ein bisschen doof. Auf den Fehler des Gegenübers zu warten und nicht versuchen, den Punkt erzielen zu wollen, fällt einem manchmal schwer. Aber die Kunst ist es, geduldig zu sein.“

 

Marcel Maltritz: "Die Turniere sind so schnell ausgebucht!"

Genau diese Geduld können die Spielenden dann bei verschiedenen Turnieren bei der Padelworld Bochum auf die Probe stellen. „Wir sind jetzt im dritten Jahr in Folge Teil der CERTINA German Padel Tour“, sagte er. „Das hat sich etabliert. Viele sind richtig heiß darauf, Punkte zu sammeln. Es gibt eine Rangliste. Wenn dann Turniere stattfinden, sind die so schnell ausgebucht, dass man ein Riesenproblem hat, überhaupt daran teilnehmen zu können.“

Aus seiner Sicht ist es unter anderem die soziale Komponente, die Spielerinnen und Spieler motiviert, an Turnieren teilzunehmen. „Die Leute sind es gewohnt, einen halben Tag auf der Anlage zu verbringen, drei oder maximal vier Spiele zu haben. Es geht zwar um Punkte, aber es ist nicht die Champions League, sondern vielmehr das faire Miteinander und ein paar schöne Spiele.“

Es wird schnell deutlich: Nicht nur in Bochum, sondern deutschlandweit erfreut sich die Sportart an stetigem Zuwachs. Was Maltritz vor mehr als zehn Jahren gefesselt hat, war der unkomplizierte Zugang. „Es war relativ einfach, die Sportart kennenzulernen. Bei mir hat es mit dem Glasspiel etwas gedauert, aber man hatte sofort gute Ballwechsel – was beispielsweise beim Tennis nicht der Fall ist, wenn man zum ersten Mal auf dem Platz steht.“

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Weiter analysierte er: „Die Einstiegshürde ist ein bisschen einfacher, um beim Beispiel Tennis zu bleiben. Im Padel ist der Schläger kleiner, man macht die Angabe von unten und Padel verzeiht mehr als Tennis, wo man schon eine saubere Technik haben muss.“

Und wie so viele andere wiederholt auch er nur die ersten Eindrücke der Einsteiger: „Bei vielen ist es so, dass, wenn sie Padel ausprobiert haben, dann kommen sie nicht mehr davon weg. Padel macht irgendwie süchtig“, sagte er lachend.

 

 

Ein Problem sieht der ehemalige VfL-Bochum-Spieler aber dennoch: „Es ist ein teures Hobby für viele.“ Durch seine jahrelange Arbeit im Padel weiß er aber um Maßnahmen, um das langfristig zu unterbinden: „Die Lösung, das über einen Verein zu organisieren, ist deshalb attraktiv. Wir brauchen noch mehr Plätze.“

Dabei weist er auf die Herausforderungen hin, vor denen er selbst noch vor einigen Jahren stand: „Ich weiß um die Problematik, geeignete Grundstücke oder Hallen zu finden, wo es auch für Investoren rentabel ist. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Tennisvereine dem offen gegenüberstehen, vielleicht einen Tennisplatz wegzunehmen und zwei Padelplätze zu installieren, ohne Angst zu haben, dass die Sportart der anderen etwas wegnimmt.“

Denn aus eigener Erfahrung bestätigt er: „Als Tennisverein wird man so attraktiv für andere Zielgruppen. Man muss sich dem öffnen und versuchen, eine neue Zielgruppe zu erschließen.“

Marcel Maltritz "Haben die Boom-Phase noch vor uns"

Gleichzeitig denkt Maltritz auch anuf den Padel-Boom in Schweden zur Corona-Zeit. „Da entstand eine Goldgräber-Stimmung. Viele sind auf den Zug aufgesprungen und wollten mit Padel Geld verdienen. Wegen des Überangebots sind aber einige große Ketten pleite gegangen.“

Aber er weiß: „Das Problem haben wir in Deutschland nicht, weil wir eher zu wenig Plätze haben. Deshalb braucht es hier eher Investoren und Vereine, die Plätze bauen.“

Dabei appelliert er – genau wie bei den Einsteigern in seinem Training – vor allem an Geduld. „Ich hoffe, dass alle einen langen Atem haben.“

Denn aus erster Reihe konnte er die Entwicklung des Padelsports in den vergangenen Jahren zu einer erfolgreichen und gefragten Sportart mitverfolgen. „Vor fünf, sechs Jahren haben alle noch gedacht, Padel hätte was mit Wasser zu tun. Das hat sich geändert. Wenn man die anderen Länder betrachtet, denke ich, haben wir die Boom-Phase noch vor uns – auch wenn Padel in demm vergangenen und diesemn Jahr noch mal einen großen Sprung nach vorne gemacht hat.“

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